Leben in der DDR: Besuch eines Zeitzeugen in der 10.Klasse

Leben in der DDR: Besuch eines Zeitzeugen in der 10.Klasse

mauerMittwoch, 14. Dezember 2011:

Im Rahmen des Geschichtsunterrichts der 10. Jahrgangsstufe stattete uns, der Klasse 10b, ein ganz besonderer Gast einen Besuch ab: Der heutige Münchner xxx, der seine Jugend in der DDR verbrachte und uns Eindrücke von seinem damaligen Leben vermitteln wollte. Er wohnte mit seiner Familie in einem kleinen Dorf namens xxx in der Nähe von Leipzig. Im typisch ostdeutschen Dialekt berichtete er uns auf überraschend spannend-humorvolle Weise von seinem alltäglichen Leben als DDR-ler, vor allem über vieles, was uns bisweilen noch unbekannt war. So erfuhren wir beispielsweise, dass die Bürger der DDR mit ihrem Leben gar nicht so unzufrieden waren, wie oftmals dargestellt, es sei denn, sie hatten den Lebensstil des Westens mit eigenen Augen gesehen.

 

Herr xxx erzählte uns, dass jeder einzelne Bürger über eine eigene Stasi-Akte verfügte, in der alles Mögliche festgehalten wurde. In seiner Akte las er später banale Angelegenheiten, wie zum Beispiel das damals verbotene Sehen von Westfernsehen, aber auch sein möglicher Berufsweg war darin aufgezeichnet.

Grundsätzlich war es so, dass die Denkweise der Jugendlichen vor allem durch den Schulunterricht stark vom Sozialismus geprägt war, sofern die Eltern nicht entgegen wirkten.

In mancher Hinsicht existierten auch Parallelen zum 3. Reich, wie etwa einige Jugendorganisationen, von denen man ohne Mitgliedschaft in der SED ausgeschlossen wurde und nicht studieren durfte. Die Schüler im Osten wurden in Fächern wie Wehrkunde unterrichtet, in denen sie auf Kriegssituationen vorbereitet wurden.

Herr xxx meinte, die ersten Schülerrebellionen gegen das Regime keimten auf, als jüngere Lehrer, die nicht so streng waren, anfingen, zu unterrichten und den Jugendlichen neue Perspektiven eröffneten. Dies hatte zur Folge, dass viele Schüler mit Protest reagierten, als sie aufgefordert wurden, während der Schulzeit in Betrieben zu arbeiten, ohne bezahlt zu werden. Im selben Zeitraum begannen auch die berühmten Montagsdemonstrationen. Er erzählte, dass er an einer der ersten Demonstrationen teilgenommen hatte und die Stasi damals schnell beauftragt worden war, diese zu unterbinden, was ihr auch sofort gelang. Doch in der Woche darauf waren es so viele Demonstranten, dass die Stasi nicht mehr dagegen ankam.

Als er 16 Jahre alt war, fiel schließlich die Berliner Mauer. Zwei Tage später fuhr er mit seiner Familie um zwei Uhr nachts in den Westen nach Hof. Sie fuhren mitten in der Nacht, da sie immer noch befürchteten, dass die Grenze doch nicht offen sei und sie somit der Flucht beschuldigt werden könnten. Er erzählte, dass sie von den Bewohnern dort Besuchergeld erhielten, wie alle, die damals vom Osten in den Westen kamen. Außerdem bekamen sie, wie alle „Ossis“ ein kostenloses Frühstück angeboten, da die Westdeutschen der Meinung waren, dass die DDR-ler im Osten unter einer grausamen Versorgungslage gelebt hatten. Nach Meinung unseres Zeitzeugen war das aber absolut überholt.

Dieser war damals vor allem enttäuscht, dass der Westen den Leuten im Osten schon beinahe diktierte, was richtig und was falsch war. Die meisten Westdeutschen meinten, dass die Menschen in der DDR nichts Gutes und Bedeutsames hatten und ausschließlich sozialistisch dachten. Auf der anderen Seite hatte aber auch er, wie die meisten DDR-ler, Vorurteile gegenüber dem Westen. Er erzählte, als sie in Hof ankamen erwiesen sich die Standardvorurteile als richtig: Zum Beispiel, dass der Westen so reich war, dass selbst Bettler Hunde halten konnten und Ausländer Drecksarbeiten ausführen mussten. Beide Seiten waren skeptisch, was der Mauerfall mit sich bringen würde. Nach seiner Einschätzung, hätte man den Bürgern der DDR ein wenig Zeit zum Annähern geben sollen.

Abschließend erzählte er, dass sich die Bürger in ihrem Alltag gar nicht so klar darüber waren, wie sehr ihr Leben beeinflusst wurde. Sie verstanden erst sehr spät, wie sie damals an das sozialistische System gebunden und manipuliert wurden.

Heute lebt er in München und ist im Umweltministerium tätig. Seine Eltern wohnen noch immer in Leipzig.

 

Unser Dank geht an unseren Zeitzeugen und Frau H. Zimmermann, die es uns ermöglichten, dieses Stück Zeitgeschichte hautnah zu erleben. Es war sehr interessant.

 

 

Schülerinnen der 10. Klasse