Eine denkwürdige Geschichtsstunde

Eine denkwürdige Geschichtsstunde

schultze jahnFür den Leistungskurs Geschichte der K12 wird die Doppelstunde am Nachmittag des 5.2.2009 sicher als besonderes Erlebnis in Erinnerung bleiben. Frau Dr.Schultze-Jahn, ehemaliges Mitglied der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, erwies uns die Ehre ihres Besuches und ließ die Ereignisse während des Dritten Reiches aus der Sicht einer kritischen Augenzeugin in unnachahmlicher Weise vor unseren Augen lebendig werden. Mit einer geistigen Klarheit und einem verblüffend genauen Erinnerungsvermögen, die ihr hohes Alter vergessen ließen, erzählte sie, wie es war, trotz der nur zu bekannten Risiken Widerstandsarbeit zu leisten, verhaftet, verhört und verurteilt zu werden und den besten Freund durch die Hinrichtung zu verlieren.

Besonders faszinierend an diesem hohen Einsatz war für die Mitglieder des Kurses, dass er vor allem um der geistigen Freiheit willen geschah, wie Frau Dr. Schultze-Jahn betonte, und dass dieses Ziel sie nach der Ermordung der Geschwister Scholl und von Christoph Probst geradezu anspornte, „jetzt erst recht weiterzumachen“. Davon zeugt auch ihr Erinnerungsbuch „ … und ihr Geist lebt trotzdem weiter!“, das sie freundlicherweise zur Erinnerung an ihren Besuch im Leistungskurs für die Schüler signierte. In anerkennenswerter Weise ging sie auf alle Fragen der SchülerInnen ein und zeigte dabei immer wieder einen erfrischenden Humor, der trotz der lebensbedrohlichen Situationen, die sie schilderte, kein Anzeichen von Verbitterung sichtbar werden ließ. „Es ist mir ein Anliegen, den jungen Menschen zu vermitteln, was es heißt, in Unfreiheit zu leben, damit sie sich den Einsatz für die geistige Freiheit zur Aufgabe machen“, sagte Frau Dr. Schultze-Jahn zum Abschied. Das war aus jedem ihrer Worte zu spüren.