13 Minuten

13 Minuten

Anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Holocaust präsentierte die Theatergruppe der Mittel- und Oberstufe am 27. und 28. Januar 2016 das Theaterstück „13 Minuten“ von Ulrich Penquitt.

Am 8. November 1939 versuchte der Schreiner Georg Elser, Adolf Hitler während einer Rede im Münchner Bürgerbräukeller durch ein Bombenattentat zu töten. Elser wollte damit die totalitäre Herrschaft der Nationalsozialisten beenden und die Ausweitung des am 1. September jenen Jahres begonnenen Krieges verhindern. 13 Minuten vor der Explosion der Bombe jedoch verließ Hitler den Versammlungssaal – wegen Nebels war der für später geplante Rückflug nach Berlin nicht möglich – Hitler musste den Zug nehmen. Der exakt zu Elsers vorgesehenem Zeitpunkt detonierte Sprengsatz verwüstete den Saal, tötete acht und verletzte an die 60 Besucher. Elser wurde verhaftet und 1945 im KZ Dachau ermordet.

In verschiedenen Ausschnitten zeigte die Theatergruppe die Passion des Georg Elser: Sein einsamer Entschluss, die alleinige Durchführung, die Verhöre durch die Gestapo und die eigenen Skrupel angesichts der acht – mehr oder weniger –  unschuldigen Opfer.
Die Theatergruppe thematisierte auch die Verleugnung seiner Tat durch die deutsche Nachkriegsgesellschaft. „13 Minuten“ versucht Antworten auf die Fragen zu finden, die das Leben und die einzigartige Tat von Georg Elser auch heute noch aufwerfen.

Im Mittelpunkt der Aufführung stand die Leistung des Georg-Elser-Darstellers Johannes Kallin (Q12). Seine Bühnenpräsenz und Interpretation der Rolle überzeugte die Zuschauer wie auch die lokale Presse. Ein großes Lob verdienen aber auch alle anderen Mitwirkenden, deren Motivation während der intensiven Probenphase nie nachließ und die daher in ihren vergleichsweise kleinen Rollen überzeugen konnten. Xaver Bongé (Q12) mimte als Stimme aus dem Off Elsers Vater und sorgte mit seinem stimmungsvollen Gitarrenspiel für die musikalische Gestaltung. David Schumann (9b) überzeugte in seiner Darstellung des Priesters wie auch in der des modernen, aber nicht minder bornierten Gastronomen Stadtler. Hellena Bigos (8b), die die Frau eines Attentatopfers verkörperte, gelang es, sich in eine Frau hineinzudenken, die wie so viele vom nationalsozialistischen Regime profitierte, bis ihr Mann dem Attentat zum Opfer fiel, aber blind für die Hintergründe blieb. Als Elsers Freundin Elsa gelang es Patricia Hoffmüller (Q12) in ihrer zurückhaltenden Art ein Gegengewicht zu Elsers radikaler Tat darzustellen und die Einsamkeit Elsers in seiner Entscheidung spürbar zu machen. Marc Schröder (9b) verhörte als Mitglied der Gestapo Georg Elser. Antonia Babl (Q12) und Jawed Mohammadi (9b) mimten zwei moderne Terroristen, deren erschreckende Empathielosigkeit für den Zuschauer bedrückend wirkte. Florian Elzer (Q12) führte die Pseudowissenschaft der Nationalsozialisten als Psychiater und Arzt durch sein überzeugendes Spiel ad absurdum. Clara Wenisch (8b) schließlich beeindruckte durch ihre authentisch dargestellte Fassungslosigkeit und ihre daraus resultierende Sprachlosigkeit gegenüber den unbedachten Bemerkungen des Gastronomen. David Schumanns hintergründig, amüsantes Auftreten passte perfekt in die Rolle. Das Lachen blieb den Zuschauern fast im Halse stecken, denn wohl den meisten wurde aufgrund der aktuellen Situation bewusst, „[d]aß keiner uns zu früh da triumphiert. Der Schoß war fruchtbar noch, aus dem das kroch.“ (Brecht, Arturo Ui)

 

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